Die Scuderia Filipinetti
Eine erfolgreiche Scuderia
Die Scuderia Filipinetti war der erfolgreichste Rennstall in den 60er Jahren. Begründet durch den einflussreichen Schweizer Geschäftsmann und Autogroßhändler Georges Filipinetti war es auch das erste rein durch Sponsoring finanzierte Rennteam. Ende der 60er bekam generelles Sponsoring im Rennsport dann eine bedeutende Schlüsselrolle, wodurch der Amateurstatus des Motorsports beendet wurde.  1965 Le Mans Shelby Die zahlreichen Erfolge der rot/weißen Ferraris, Lolas, AC Cobras, Chevrolette Corvettes und Chelby Mustangs prägten die ganze Rennszene in den 60er. Es gab fast kein Rennen in dem die Filipinettis nur das Mittelfeld belegten. Filipinettis fuhren als Rennwägen der Formel 2, Formel 3, Gruppe 2, Gruppe 3, Gruppe 4 und Gruppe 5. Damals waren einfach die besten Rennwagen mit den besten Rennfahrern bei Filipinetti zuhause. Private Teams, wie die Scuderia Filipinetti spielten seiner Zeit eine große Rolle. Zu Beginn der 70er wurde es aber immer teuerer einen guten wettbewerbsfähigen Rennstall zu unterhalten. Die Partnerschaft mit ANTAR und Seita wurde für Filipinetti daher immer wichtiger. Die Tage der Privatiers und wohlbetuchten Amateure waren langsam vorüber. Rennfahren wurde das große Geschäft der Großen. Auch die Scuderia Filipinetti hatte in den letzten Jahren den wahren Renn-Geist verloren. 1972 fuhren dann auch noch die 128er Coupes und Berlinas nicht gerade gute Rennen. Obwohl der Filipinetti Rennfahrer Walter Dona als schnellster Fahrer galt, blieben die große Erfolge immer wieder aus. Filipinetti zog erste Konsequenzen und gab die erste Scuderia-Werkstatt in Magny-Cours auf und ließ seine Formel 3 Rennwagen nach Formigine in Italien bringen. Zusammen mit Ecurie Francorchamps, Marenello Concessionaires, NART und der Scuderia Serenissima gehörte die Scuderia Filipinetti in Europa aber noch zu den wichtigsten Rennställen. Ende 1972 beendeten dann all diese Teams ihre Aktivitäten. Georges Filipinetti schaute dann mit gemischten Gefühlen in die Zukunft: Sollte er einen Schlussstrich ziehen oder doch noch weitermachen?
1973 eine etwas andere Saison
Partner ANTAR glaubte noch immer, selbst nach einer mittelmäßigen 72er Rennsaison, an das Potential der Scuderia und an deren noch immer angesehenen Rennfahrern. Die Teilnahme an der Formel 3 stellte sich als gute Wahl heraus. Jaques Coulon zeigte dabei sein ganzes Können. Mit Hilfe von Seita waren auch die 2- und 3 Liter Sportwagen gut mit dabei. Auch Fiat war glücklich mit den allgemeinen Entwicklungen und wollte seinen neuen sportlichen Sprössling, dem FIAT X1/9 promoten. Leider ging es Filipinetti finanziell nicht mehr so gut. Er konnte aus diesem Grund keine neue Autos für die Formel 2 anschaffen. Da wurde kurzerhand eine Vereinbarung gemacht, dass Antar zukünftig die Auto finanziert und Filipinetti das Rennteam weiterführt.
Das Team hieß nun ab sofort:„Ecurie Antar Filipinetti“.
Der französische Sponsor hatte nun auch mehr Macht im Team, deshalb wurde den französischen Fahrern und Autos mehr und mehr Beachtung geschenkt. Georges Filipinetti war seinerzeit schon 65 und hatte Probleme mit seiner Gesundheit, weshalb er seinen Sohn die täglichen Aufgaben der Teamleitung übertrug, so dass er sich von da an, ganz auf die finanziellen Probleme konzentrieren konnte. Aber alles in allem schien das Jahr 1973 trotzdem ein sehr interessantes Rennjahr zu werden.
Der erste X1/9 für den Rennsport erblickt die Welt
 Autosalon Genf Im März 1973, auf dem Genfer Autosalon wurde dann der Filipinetti X1/9 vorgestellt. Es war der erste Fiat X1/9 Rennsportwagen. Er wurde so vom Rennstall umgebaut dass er in der Gruppe 4 fahren konnte. Die Entwicklung dieses Prototyps hat kein anderer als der britische Ingenieur und ehemalige Ferrari-Rennfahrer Mike Parkes durchgeführt. Die Eigenschaften waren beeindruckend: Aus einem 1290ccm hat er durch eine Lucas Einspritzanlage 160 PS bei 8.900 Umdrehungen herausgezwiebelt. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 210 Km/h.Eine weitere Motorisierung wurde danach ebenfalls auf einem 1290 ccm Block, aber mit 16 Ventile aufgebaut.
Für die Kraftstoff-Einspritzung wurde ein Kugelfischer-Injektionssystem genommen. Mit einer Kraft von 190 PS bei 10.300 U/min.
Aber die Feinheiten des Filipinetti X1/9 waren nicht nur in der Motorisierung zu finden:
Eine mächtige Bremsanlage, renntaugliche speziell für den X1/9 angefertigten Stoßdämpfer, ein Überrollkäfig, ein Colotti-Getriebe, mit dazugehöriger speziellen Schalthebelführung, zur präzisen Gangschaltung und ein auffallend großes Aluminium-Bremspedal veränderten das Serienauto zu einem Rennwagen. Breite speziell von Campagnolo für Filipinetti gefertigte Felgen (vorne 7,5/13, hinten 9,5/13), die wunderschöne und markante Helvetia-Milano Kotflügelverbreiterungen und die Filipinetti typische rot/weiße Lackierung bzw. Beklebung gaben dem X1/9 eine ganz spezielle Note.
Im April 1973 machte dann der Filipinetti X1/9 sein erstes Renn-Debut. Der damalig beste Fahrer aus dem Filipinetti-Stall Walter Dona fuhr mit dem Filipinetti X1/9 beim 300Km Rennen auf dem Nürburgring den 2. Platz in der 1300er Gruppe ein. Über den Rennverlauf habe ich seither aber nur wenig erfahren.
Nach der ersten erfolgreichen Einführung des X1/9 in den Rennsport, wollten die Sponsoren wie Antar und Fiat natürlich mehr sehen. Kein geringerer als Gian Paolo Dallara hatte angeblich die Aufgabe einen Filipinetti X1/9 auch für die Targa Florio zu präparieren. Ob das wirklich war ist, konnte ich nicht wirklich herausfinden.
Laut ehemaligen Dallara Motor-Ingenieur F. Cazzaniga war dies nicht der Fall.
Ein trauriges Ende und ein schnelles Aus für den X1/9
1 Woche vor der Targa Floria, auf der, der Filipinetti X1/9 GT starten sollte und dafür schon angemeldet war, starb Georges Filipinetti plötzlich infolge eines langen Diabetis-Leiden. Daraufhin wurden sämtliche Rennen, bis auf 1000 Km von SPA abgesagt. Der angeblich von Dallara präparierte Filipinetti X1/9 GT konnte leider sein World Championchips Debut auf der Targa Florio nicht mehr machen.
Ein Lola T2B2 war noch in Le Mans angemeldet. Der fuhr dort auch aber ohne angebrachten Filipinetti Schriftzug. Die Hauptsponsoren und langjährige Teampartner ANTAR und Seita zogen sich zurück.
Durch die in den Anfängen der 70er entstandenen finanzielle Probleme und den ins unermessliche laufende Kosten zum Unterhalt eines Rennstalls, war die Scuderia total überschuldet.
Der damalige Team-Leiter Edy Cornaglia schrieb dann am 6.Juni 1973 einen Brief an alle Team-Mitglieder, in dem er mitteilte, dass die Scuderia Filipinetti nun alle Aktivitäten gestoppt habe und dass alle frei gegeben sind, um eine neue Beschäftigung suchen.
Der gesamte Fahrzeugbestand der Scuderia musste nun von der Familie verkauft werden. Einer der Lolas ging Ende 1973 für 36.000 SFr zu Giliberti nach Sizilien. Ein weiterer Lola ging an für 25.000 SFr zu Even Osella nach Turin. Ein Formel 3 March ging für 25.000 SFr weg. Auf alle Fälle brauchte es sehr lange bis alle Wagen verkauft waren und alle offenen Rechnungen beglichen waren.
Die Besitztümer und das Schloss in Genf wurden verkauft, die Scuderia Filipinetti liquidiert. Somit verschwanden 12 Jahre konsequente Renngeschichte einfach von der Bildfläche.
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